Wie man durch Nichtstun vom Saulus zum Paulus wird... und am Ende auf der richtigen Seite steht...
Jahrelang und bis heute behaupten "Kollegen" wir Türp, Könnecke , Messinger und viele andere: "Okklusion habe nichts mit CMD zu tun!"
Kollegen, die so arbeiten, werden als "Spinner", "Ewiggestrige" und unbelehrbar verunglimpft.
In Gerichtsprozessen gerne der angeblich grob behandlungsfehlerhaften CMD-Behandlung bezichtigt.
Wie das eben so geht in der hyperventilierenden, moralaufgeladenen Diskussion unserer Zeit, in der Meinungsfreiheit immer nur die eigene Meinung betrifft und Andersdenkende gerne mal als Querdenker, rechts und wer weiß noch alles abgebasht werden.
Ganze Glaubenskämpfe um den Stellenwert der Okklusion wurden und werden weiterhin geführt. Nicht selten vor deutschen Gerichten und nun auf einmal das hier:
Der Präsident der DGFDT, noch bis vor Kurzem einer der Protagonisten: "Sie, Herr Kollege von Peschke nehmen die Okklusion viel zu ernst!
...und man selbst für sich dachte: "Na, zum Glück war das all die Jahre so, denn deshalb kamen die Patienten ja aus dem gesamten Bundesgebiet bis hoch nach Kie und nicht nach Düsseldorf."
Und nun, nach vielen Jahren der dogmatisch und ideologisch aufgeblähten Diskussionen dreht sich auf einmal der Wind.
Der immer noch aktuelle Präsident der DGFDT, Prof. Hugger, führte Mitte 2024 in der CMF aus:
im letzten Jahr beschäftigte ein Thema die Leserschaft des CMF recht intensiv und auch emotional: Der Stellenwert der Okklusion im Rahmen der Funktionstherapie und
der restaurativ-prothetischen Behandlung. Frei nach dem Titel der achten Oper des tschechischen Komponisten Leos Janacek (1854-1928, „Die Sache Makropulos") könnte
man geneigt sein, bei diesem Umstand die Formulierung zu gebrauchen: Die Sache mit der Okklusion. Und in der Tat weist die Okklusion für die funktionsorientiert ausgerichteten
Zahnärzte eine große Bedeutung auf, zumal sie offenkundig zahnärztlich gut zu untersuchen und zu bewerten sowie therapiebezogen auch gut zu verändern und zu optimieren ist. Es ist das große Verdienst der klassischen Gnathologie, dass sie ab den 1960er-Jahren die Zahnärztinnen intensiv mit der okklusalen Morphologie vertraut gemacht und die Auswirkungen der Unterkiefer-Bewegungsfunktion auf die okklusale Gestaltungnahegebracht hat."
„..dass okklusale Faktoren in der Funktionsdiagnostik und in der restaurativ-prothetischen Zahnheilkunde von manchen Zahnärztinnen als nicht wesentlich relevant und okklusionsbezogene funktionelle Bezüge für die Ausbildung als zu vernachlässigend betrachtet wurden und mitunter auch noch werden.“
„Somit ist das Thema Okklusion und damit auch Funktion keinesfalls ein Auslaufmodell und damit „vom Tisch". Ziel wird es sein, wieder einen vernunftorientierten und auf guter klinisch-wissenschaftlicher Forschung basierten Zugang zur Okklusion zu finden.“
Dabei gab es schon anderweitige, gleichlautende Beiträge aus anderen Ecken der Zahnmedizin/Medizin. So. u.a. von Prof. Neff, MKG Marburg:
"Auf die dazu in auffälligem Kontrast stehende Problematik einer fehlenden Repräsentation der Okklusion in den DC/ TMD wurde im Journal of Craniomandibular Function
(CMF) bereits wiederholt hingewiesen, wobei die Okklusion - wohlgemerkt gemäß den im Rahmen eines fast kompletten Berufslebens gewonnenen Erfahrun gen eines
MKG-chirurgischen Funktionsdiagnostikers - ohne jeglichen Zweifel ein durchaus relevanter ätiologischer Faktor beziehungsweise Ko-Faktor für CMD sein dürfte. In diesem
Zusammenhang sei auch auf das kürzlich erschienene Editorial von Prof. Hugger3 in Ausgabe 1/24 der CMF verwiesen."
"Aus der Sicht eines MKG-Chirurgen/ Funktionsdiagnostikers mit arthrogenem Fokus ist es an der Zeit, der Vielfalt der möglichen arthrogenen Pathologien und Funktionsstörungen
bei der CMD ebenso wie der lange zu Unrecht in den Schatten gestellten „Okklusion" den gebührenden Stellenwert zukommen zu lassen."
Als wir hier in Kiel mal gestartet sind vor über 30 Jahren mit dem für uns sehr hohen "Stellenwert der Okklusion bei einer CMD-Erkrankung", erleben wir jetzt, Richtung Berufsende, dass sich, um in der Sprache unserer Außenministerin zu bleiben, der Wind tatsächlich um 360 Grad gedreht hat.
Das sah aber viele Jahren, vorrangig in den 2010er Jahren überhaupt nicht so aus. Ganz im Gegenteil, als man sich damals regelrecht beschimpfen lassen musste, dass doch fgar nicht sein könne, was wir hier in über 30 Jahren und unzähligen Behandlungsfällen aufgebaut und nachgewiesen hatten.
Nun ist das alles kein Grund sich zurück zu lehnen, aber wenigstens ein Grund zur Hoffnung, dass alles besser bleibt.
Zumindest hier in Kiel wird sich daher nichts ändern, sondern wir machen das, was wir immer gemacht haben:
Der Okklusion einen hohen, sogar sehr hohen Stellenwert im Krankheitsgeschehen einer CMD zuordnen.
Und so bewahrheitet sich am Ende der Spruch der Ärzte: "Lass se reden"