Streiche "GRÜN", setze "Okklusion" und was eine Fachgesellschaft damit zu tun hat
Der interessierte Leser dieses BLOGs weiß es schon lange.
Der Verfasser dieses BLOGs ist nicht nur der Auffassung, dass nicht nur die letzten drei Jahre Ampelregierung verlorene Zeit waren, sondern schon viele Jahre der Merkel-Ära zuvor. Für die Gesundheitstätigen noch mehr, als für den Rest der Bevölkerung. 38 Jahre Gebührenstillstand in der GOZ lassen grüßen.
Zutiefst davon überzeugt ist, dass es kaum sein kann, dass es in einem zutiefst korrumpierten System noch Restbereiche gibt, in denen es so läuft, wie man das von früher kannte. Davon kann sich nun ein Jeder täglich überzeugen.
Warum sollte es also in einer zahnärztlichen Fachgesellschaft prinzipiell anders laufen, als in einer politischen Partei.
Nicht die fachlich kompetenten Spitzenkräfte kommen in bestimmte, verantwortliche Positionen, sondern Leute, die sich gut vermarkten können und andere Interessengeleitete kennen, so dass man sich gegenseitig unterstützt. Man hört sich eben am liebsten das an, was man selbst so erzählt und holt sich dazu die richtigen Leute. Das war übrigens das System Merkel, das bis heute nachwirkt und wie wir seit der epochalen hardcovergebundenen Selbsterklärung der Genannten wissen, im Nachhinein nicht nur alles alternativlos, sondern auch noch richtig.
Hinzukommen, dass neben allseits üblicher Ämterpatronage wichtige Funktionen im Sinne von Erbhöfen besetzt werden, so dass Verweilzeiten auf bestimmten Funktionsposten in diesen Fachgesellschaften von 10, 20 und noch mehr Jahren, eher den Standard darstellen, als die Ausnahme.
So eben auch in der für das Thema CMD zuständigen Fachgesellschaft, die sich um das Thema Funktion in der Zahnmedizin kümmert, in der, Sie ahnen es, jede, und sei sie noch so vorsichtig vorgetragene Kritik an den bestehenden Verhältnissen, als Majestätsbeleidigung betrachtet und als absolut unbegründet zurück gewiesen wird.
Insofern ist der tagesaktuelle Artikel, in dem es eigentlich um die Techniken grüner Meinungsbildner geht, 1:1 umsetzbar auf die Situation im Bereich der Diskussionen um den Stellenwert der Okklusion, im Bereich der Funktionellen Erkrankungen des Kauorgans.
Hier laufen nämlich exakt die gleichen Mechanismen ab.
Auf der einen Seite wird dem okklusionszugewandten Praktiker bescheinigt, er sähe die Dinge alle viel zu einfach, wenn er die Probleme seiner Patienten nur über die Okklusion lösen wolle. "Sie, Herr Kollege nehmen die Okklusion viel zu wichtig!" In hier beschriebener grüner Dialektik: Der zahnärztliche Kollege sei zu dumm, um die großen Zusammenhänge zu erkennen, diese seien viel zu komplex, um sie zu beherrschen, und greife zu okklusalen Methoden aus der Mottenkiste der Zahnmedizin, um diese zu lösen. Die Sorge des konkreten Behandlers um das Wohlbefinden seines Patienten, häufig arbeitsunfähig und vor langjährigen Schmerzen sozial isoliert, sei medizinischer Populismus und damit abzulehnen. Lieber lässt man den schmerzgeplagten Patienten mit seinem Schicksal allein und unbehandelt, als sich mit der Präparation und Versorgung von Zähnen die Finger schmutzig zu machen. Igitt, wie kann man nur. Moralisch so was von verwerflich.
Dann aber wiederum wird auf einer anderen Ebene von ebenjenen Bedenkenträgern die Sorge formuliert der okklusionsorientierte Behandler schade mit seiner Behandlung ebenjenem Patienten und die moralische Feststellung getätigt die hier vorliegenden, pathogenen Mechanismen seien alle so überkomplex, dass man sie, wenn überhaupt und ausschließlich nur im fachübergreifenden, interdisziplinären Kontext sehen dürfe und deshalb, in letzter Konsequenz, auch nicht lösen könne. Deshalb also besser die Finger davon ließe, oder aber, aus einer eigentlich recht einfachen Fragestellung die Beantwortung der Wahrheiten des Universums ableiten müsse. Gern in bremischen Gefilden besungen: Die angeblich bisher unerkannte "Grunderkrankung", die zwar bisher keiner der vielen, zuvor aufgesuchten Fachärzte gefunden habe, die aber zwingend da sein müsse, denn an der Okklusion könne es ja nun, siehe oben, weil viel zu einfach, gar nicht liegen. Gerne auch genommen: Immer neue Fragebögen, selbstverständlich professionell vermarktet, die von denselben verkauft werden, die zur diesbezüglich fachlichen Meinungsbildung unentwegt beitragen. Interessenkonflikte? Doch nicht in einer wissenschaftlichen Fachgesellschaft, in der die Posten hin und her geschoben werden, wie früher in der CSU.
Die unerkannte Grunderkrankung könne natürlich nur der zitierte Kollege und der von ihm, in unzähligen, gebührenpflichtigen Fortbildungen ausgebildete Leib-Osteopath, finden.
Das Ganze ungeachtet dessen, dass weder wissenschaftlich belastbare Belege für behauptete Zusammenhänge zwischen Körperstatik und Okklusion existieren, dafür aber erhebliche Zweifel an dem Wirken komplementärmedizinisch tätiger Osteopathen, bei denen die Knochenlamellen des Schädels atmen, sofern diese nur ihre goldenen Hände anlegen.
Fakten werden systematisch ausgeblendet, wissenschaftliche Fallveröffentlichungen in der hauseigenen Meinungsmaschine CMF systematisch abgelehnt und so suhlt man sich gegenseitig in dogmatischen Betrachtungen, bei denen nur die Kollegen und Kolleginnen stören, die anderweitiges aus ihrer praktischen Tätigkeit zu berichten wüssten.
Alles bekannt, wie in den politischen Leitmedien und oftmals einseitiger und ideologisch motivierter Berichterstattung. Finden Sie in der zuständigen Fachgesellschaft und deren Publikationsorgan der CMF ebenso. Hinter vorgehaltener Hand, wo auch sonst, raunt man sich schon längere Zeit zu, dass behandlerische Realität und Ideologie ver Verantwortlichen zunehmend auseinanderklaffen.
Denn, die grundsätzliche Frage lautet: Wenn das Thema Okklusion doch mit dem Thema Funktionsstörung des Kaurorgans gar nichts zu tun habe, wie u.a. Herr Prof. Türp aus Basel in der Schweiz seit Jahren fabuliert, warum, um Himmels Willen, gibt es dann überhaupt eine "Zahnärztliche Fachgesellschaft", die sich seit 50 ''Jahren mit diesem Thema befasst.
Wenn es sich doch bei dem Thema CMD um eine angeblich zwingend interdisziplinär, sprich nur fachübergreifend zu therapierende Erkrankung handelt, warum wissen dann die anderen Disziplinen der Medizin nichts davon?
Die Antworten auf diese Frage sind so einfach, dass man dazu weder Hochschullehrer in Düsseldorf, noch nicht einmal Zahnarzt in Köln sein muss, um sie beantworten zu können.
Statt aber das zu tun, was man von Wissenschaft erwarten würde, herauszufinden, ob die Ideologie möglicherweise an die Realität angepasst werden müsste, geht es weiter, wie in der alten DDR. Vorwärts immer, rückwärts nimmer!
Apropos: Auf der diesjährigen Jahrestagung wurde angekündigt, na Sie ahnen es schon, man wolle nun neue Arbeitskreise in der DGFDT gründen, um das Thema "Stellenwert der Okklusion" zukünftig in neuen Stellungnahmen und Wissenschaftlichen Mitteilungen besser zu beschreiben. Das machen dann übrigens dieselben Leute, die zwar behandlerisch zu dem Thema nichts Nennenswertes vorzuweisen haben, aber dafür umso geübter sind neue Stellungnahmen und am besten gleich noch neue Krankheiten zu erfinden, wie zum Beispiel das letzte Husarenstück, als man 2019 die "Okklusale Dysästhesie" aus der Taufe gehoben hat. Eine Erkrankung, von der zuvor niemals ein Mensch auf Erden gehört hatte, die aber nur zu gut zu der herrschenden Ideologisierung der funktionellen Zahnmedizin in der DGFDT passte, dass Missempfindungen der Okklusion natürlich mit allem Möglichen zu tun haben müssten, nur eben nicht mit der Okklusion!
Na, das wäre dann doch tatsächlich ein erster konkreter Schritt, raus aus dem Tal der okklusalen Ahnungslosigkeit. Dem entgegen steht allerdings ein leitender Vorstand, der glaubt, wenn es nicht möglich sei eine CMD mit den Möglichkeiten einer AOK Behandlung zu lösen, dann könne der Okklusion auch kein nennenswerter Stellenwert, im Bereich der Funktionsstörungen des Kauorgans, zugebilligt werden.
Nun wird angesichts der hier geübten Systemkritik an Strukturen, und noch weit schlimmer, verantwortlichen Personen der DGFDT, nicht gleich die Staatsanwaltschaft morgens um 06:30 beim Verfasser anrücken. Aber so ganz sicher ist man sich da, im schleswig-holsteinische Heimatland des "Anzeigenhauptwachtmeisters Robert des Ersten" auch nicht mehr.
Insbesondere deshalb nicht, da sich doch vor ca. 15 Jahren schon einmal eine Altpräsidentin dieser Fachgesellschaft nicht zu schade war dem Verfasser mit Exmatrikulation zu drohen, da der Verfasser auf dieser Plattform Zweifel an der Eignung kieferorthopädischer Behandlungsmaßnahmen bei CMD-Erkrankungen zu äußern wagte. Daran hat sich übrigens nicht das Geringste geändert.
Außer, dass selbst die DGFDT inzwischen einräumt, das kieferorthopädische Behandlungsmaßnahmen keine "first line" Maßnahme bei der Therapie einer CMD darstellen würden. Für die Dummen, die das hier lesen: KFO ist primär nicht geeignet um eine CMD zu therapieren. Ob KFO als Zusatzmaßnahme bei einer CMD-Therapie geeignet sein könnte bleibt unbesprochen. Praktisch so wie: Das vorliegende Öl ist zwar nicht geeignet, um es in den Motor zu kippen, aber vielleicht kann man es ja als Scheibenwaschzusatz verwenden.
Also, alles wie gehabt, kein Grund zur Sorge. Alles bleibt besser.
Ob das hier Beschriebene, alternativlos ist, wird man sehen....